Aktiv an allen Fronten – Das Zusammenspiel aus Politik, Wirtschaft und Verbänden

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Julia Post berichtet im Interview, welche Vorteile es hat, an mehreren Fronten mitzuspielen und wie ihre Selbstwirksamkeit ihr Lust auf mehr machte. 

Julia Post
Aufsichtsrätin, Vorstandsmitglied,
Stadträtin, Die Grünen

Die Vorteile an allen Fronten mitzumischen

Ich bin in unserer Fraktion zuständig für Wirtschaftspolitik und decke diesen Bereich auch als Unternehmerin und im Verband ab. Auf der einen Seite habe ich dadurch zwar viele Hüte auf, auf der anderen Seite bin ich aber immer am selben Thema dran.

Mein Thema auf allen Ebenen mitzubekommen, bei den Menschen zu sein und dort mitzugestalten empfinde ich als große Bereicherung für meine politische Arbeit.
Umgekehrt ist es auch für die Parteien immer wichtig Mitglieder zu haben, die in den Organisationen, Vereinen und Verbänden verwurzelt sind.
Da ich immer im selben Thema drin bin, kann ich überall viel mitnehmen und bin als Korrektiv auch etwas außerhalb der Parteienblase unterwegs.

Entstehung der Kampagne “Coffee to go again”

Im Jahr 2015, damals Hotelfachfrau und Politikstudentin, kam ich viel mit den Coffee to go Bechern in Berührung und wollte unbedingt zur Reduzierung der Einwegbecher beitragen. 

Ich bin dann kurzerhand in München rumgelaufen und habe Werbung für die Idee meiner späteren Kampagne „Coffee to go again“ gemacht, um Mitstreiter*innen in der Gastronomie zu finden. Mithilfe eines Aufklebers an der Tür sollten diese zeigen, dass sie auch mitgebrachte Becher für “Coffee to go” akzeptieren. Ich konnte einige Cafés und Imbisse für dieses Projekt gewinnen und so folgten Aufmerksamkeit in der Presse und viele weitere Debatten, rund um Einwegprodukte. In München konnte ich dadurch bewirken, dass Einwegbecher in den städtischen Kantinen 2017 komplett abgeschafft wurden.

Seither hat sich einiges auch auf Bundes- und EU-Ebene getan, um die Einwegflut zu reduzieren und ich bin stolz darauf ein Teil dieser gewachsenen Bewegung zu sein. Es lässt sich im Vorhinein schwer einschätzen, was die eigene Arbeit alles bewirken kann, wenn man etwas Neues wagt. Mir brachte diese Selbstwirksamkeit, mit der ich anfangs gar nicht gerechnet hatte, eine große Motivation und Lust auf mehr.
So begann ich mich auch politisch zu engagieren, um auch an anderer Stelle Veränderungen bewirken zu können.

Meine Erfolgsfaktoren und der Weg in die Politik

Geholfen hat mir, dass mein Thema sehr alltagsnah war und die öffentliche Debatte darauf gut eingegangen ist. Der Einwegbecher war jedem ein Begriff und auch vielen ein Dorn im Auge in Bezug auf die entstandenen Müllberge. Des Weiteren war die Story der Politikstudentin, die etwas bewegen möchte, sehr medientauglich. Ein ebenfalls wichtiger Aspekt war, dass ich konkrete Forderungen und Verbesserungen ausgearbeitet hatte. 

Meine Neugierde und die Lust auf mehr brachten mich mit dem Sozialunternehmertum in Kontakt. Ich habe viel Verbesserungspotenzial gesehen und war durch den Erfolg meiner vorigen Kampagne motiviert, mich dahinter zu klemmen. Politik kann einen unglaublichen Sog entwickeln, wenn man sieht, dass man Dinge verändern kann.

Die Selbstwirksamkeit meiner Ein-Frau-Initiative war eine tolle Erfahrung, jedoch war das auch ein vergleichsweise kleines Projekt. Um größeres zu bewirken wählte ich den Weg in die Partei und habe dort schätzen gelernt, Mitstreiter*innen für eine Sache zu haben. Eine “politischen Familie” gibt viel Power und hilft dabei, langwierige Zeiten zu überstehen. Gemeinsam kann man dickere Bretter bohren als alleine und auch höhere Berge erklimmen, selbst wenn der Weg dorthin mal länger dauert.

Nach dem Motto “wichtig statt dringend”, schaffe ich mir regelmäßige Zeitinseln: Auf der Arbeit nutze ich diese für “deepwork”, privat für Reflektion - das ist mir neben der ganzen Terminflut wichtig. Ich breche bewusst auch immer mal wieder aus der Politikbubble aus, um mir aus meinem privaten Umfeld Rückmeldungen einzuholen und deren Position zu verstehen.

Mit meinem Podcast „Frauenlobby“ möchte ich mehr Frauen für Politik begeistern und gebe dort zugleich Einblicke hinter die Kulissen, damit politische Arbeit für Andere weniger abstrakt ist. Ich denke, dass Frauen sich so eventuell eher trauen, mal in der Politik vorbeizuschauen.

Mein Appell: Eine klare Positionierung

In vielen Fällen werden wir aufgrund eines bestimmten Themas auf Politik aufmerksam und treten dann in eine Partei ein. Frauen übernehmen häufig Tätigkeiten in der Organisation, sind dort sehr fleißig und werden dafür geschätzt. Sie bereiten damit anderen die Bühne. Organisation ist sehr zeitintensiv. Zur inhaltlichen politischen Arbeit kommt frau dann oft nicht mehr.

Ich empfehle allen Frauen, ein eigenes Thema zu entwickeln und sich damit zu positionieren, im besten Fall sogar zur eigenen “Marke” zu machen. Wenn ich für mein Thema Herzblut und Expertise mitbringe und diesem immer wieder Priorität einräume, kann bei der Kandidatur für ein Mandat auch keine Unsicherheit aufkommen, für welche Inhalte ich stehe.

Datum des Interviews: 02.11.2021

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Moin, ich bin Janina Tiedemann.

Ich bin Moderatorin und stärke als Trainerin und Speakerin seit 6 Jahren Frauen für Führungspositionen in Politik & Verbänden.
Wir brauchen tolle Frauen, die die Gesellschaft gestalten wollen!

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